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Natur im Bild

Notizen zur Malerei von Leopold Kogler 

Nach den radikalen Kunsterfahrungen der 1970er Jahre, vor allem im Zusammenhang mit seinem Studium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, begann Leopold Kogler sich Anfang der 1980er Jahre in intensiver Weise mit den Möglichkeiten der Malerei zu beschäftigen. Im Kontext der sogenannten „Neuen, Wilden Malerei“ wie sie von einer jungen Künstlergeneration Ende der 1970er Jahre initiiert wurde, realisierte er Farbexperimente und Farbselbstportraits im Spannungsfeld von figurativ und abstrakt. „Ich wollte der Wildeste von den Wilden sein“, formuliert es der Künstler selbst. Mit expressiv-exaltiertem Gestus, großer Intensität und Empathie entwickelte er daraus von 1986 – 1989 seine erste große Malereiserie, die sogenannten „Image Déchirées“, die „Reißbilder“: Aus großen Papierrollen wurden bemalte Stücke herausgerissen, die abstrakte Malerei aus geometrische Formaten befreit und diese selbst expressiviert, womit eine Kongruenz von Bildformat und Malgestus geschaffen wurde. „Gesichtete Gesichter“ benennt sich eine frühe Serie, die in figurativer Hinsicht das Thema Portrait in expressiv-narrativer Weise mit oft  „Art Brut“-Charakter aufgreift.

 

Ende der 1980er Jahre zeichnet sich eine essentielle Neuentwicklung der Malerei von Leopold Kogler ab: Das Phänomen Natur beginnt sein bildnerisches Werk zunehmend zu prägen und ist bis heute vorrangiges Thema. Zunächst waren  es in den 1990er Jahren Werkserien wie „Landschaftsflimmern“ oder „Brushwood“, mit denen eine behutsame Annäherung erfolgte. Der Mikro-Blick in die Vegetation und Botanik der Natur war bestimmend, die Verschränkung von Malerei und Zeichnung bildnerisch essentiell. Es ging um die Verwundbarkeit von Natur, ihre Gefährdung durch ökonomische Nutzung und zivilisatorische Verschmutzung.

 

Anfang der 2000er Jahre kam es zu einem veritablen Blickwechsel im Wahrnehmen von Landschaft. Nicht mehr der Nahblick, sondern der Fernblick wurde vorrangig. „Horizonte“ betitelt der Künstler treffen seine neue Werkserie. Die Landschaft wurde zu einem künstlerischen „Scenario“, die Natur  in ein neues Vokabular der Malerei verwandelte: Durch bildnerische Rhythmisierung, Farbklang und ineinander verschwimmenden Farbverläufen gerinnt die Landschaft in eine “Naturschrift“ der Malerei. Das Verhältnis seiner Bilder zur Natur ist dabei immer „tangential“, wie Peter Zawrel anmerkt. Mit der wiedergewonnenen Naturerfahrung durch die Rückübersiedelung nach St. Peter/Au wurde die Landschaft für Leopold Kogler sui generis wieder Lebens- und Kunstelexier.

Carl Aigner