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"Wir meinen, dass das letzte Ziel der Wissenschaften vom Menschen nicht das ist , den Menschen zu konstituieren, sondern das, ihn  aufzulösen".  

Claude Lévi-Strauss, Das wilde Denken, 1962


  

Drago J. Prelog / Alois Riedl

Retrospektive mit Schwerpunkt auf aktuelle Arbeiten 

2. April - 30. Juli 2017

Öffnungszeiten: 
Samstag 12-18 Uhr
Sonntag: 10-18 Uhr
Download: Einladungsbroschüre zur Frühlingssaison 

 

Drago J. Prelog

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„Das Auffälligste an meiner Malerei ist die ausgeprägte Hinwendung zum Schriftzeichen.Die Beschäftigung mit der Schrift ist mein Hauptanliegen – egal ob es sich dabei um skripturale Arbeiten oder Umlaufbilder, die zu einem Zeichen geführt haben, handelt. Die Abwandlung dieser Arbeiten hat mich zu meinem eigenen Alphabet gebracht. Schrift ist mein Thema, meine Obsession. Ich kreise immer wieder um dieses Sujet, wandle es ab und finde immer wieder neue Formen.“
Drago J. Prelog

 

Alois Riedl

Alois Riedl OT 1986 90 x 100cm

Wahrscheinlich will auch Alois Riedl des Pudels Kern finden. Diese verkürzte Form des Wissensglücks. Und wahrscheinlich sieht auch er im gestalterischen Kondensat die Chance, dieser Suche einige Hoffnung auf Erfolg zu verleihen. Seit die Malerei den Boden der sichtbaren Wirklichkeit verlassen und sich der Verwirklichung von Ideen zugewandt hat, geht es darum, Extrakte zu finden. Verdichtungen von Wahrheit oder von Überzeugung, von Offenbarung, Erfahrung und Hoffnung, von Schmerz und Lust. Auch Alois Riedl extrahiert und verdichtet. Er sucht - wie all die Ernsthaften - die für ihn und jetzt gültige Ausformung. Sein aktueller Weg ist dabei ziemlich minimalistisch. In früheren Jahren gab es noch Anklänge an Tatsächliches. An Pölster, an Stühle, an optisch zuordenbare Wirklichkeiten; farblich zurückgenommen, binnenmalerisch, dem expressiven Gestus immer wieder Platz lassend. Irgendwie hatte das immer auch mit Suche zu tun, mit Ausprobieren und Anbieten. Was uns jetzt auf den Leinwänden und Kartons begegnet hat mit Finden zu tun. Mit Antworten, oder zumindest Angeboten von Antworten. Letztlich auch mit Erkenntnis. Herbert Boeckl hat davon gesprochen, dass Kunst das Ergebnis von Wandlung ist.Ob er damit auch auf die (fast priesterliche) Funktion des Künstlers als Schöpfer angespielt hat? Auf den, der die Schöpfung, „weiterspinnt“, der im Wortsinne am Konstrukt unserer Wahrnehmungs- und Vorstellungswelt baut, der neue Welten schafft? 

Alois Riedl widmet sich dieser Aufgabe mit großer Entschiedenheit. Er arbeitet an einem eigenen Universum, das durch Klarheit in Form und Farbe errichtet scheint. Reduziert auf wenige Bauteile, die im Verhältnis zueinander, zum Bildganzen und zum Betrachter Auskunft geben über Spannung, Farbbedeutung, Räumlichkeit. Es sind Zeichen, Kürzel, Reduktionen, die auf den Bildplan des sichtbaren Seins schließen lassen. Und die - beieinigem Glück - auch Auskunft geben können über den inneren Zusammenhang. Den Kern eben.

Herbert Giese


Auswahl Pressereviews 2016:

"Ausstellungsrundgang in den Regionen" - ooe.orf
"Freunde in der Galerie Artemons“ - Volksblatt
"Dieser Syrer malt nur nach Mitternacht" - Die Presse
"Ein Kunstwerk namens "Brexit" vermittelt Schmerz - Salzburger Nachrichten
"Künstler auf der Flucht, oder: Wie Kunst zur Selbsttherapie wird" - Oberösterreichische Nachrichten
Maler Jürgen Messensee wird 80: Eigenständige Position - Salzburger Nachrichten
"Messensee im Mühlviertel: Kraftvoll und hintergründig" - der Kurier


Grabmayr Zimmer im Artemons 
Grabmayrzimmer

Franz Grabmayr (1927-2015) ist einer der bedeutendsten österreichischen Maler seiner Epoche und wird von vielen weit bekannteren Künstlerkollegen über alle Maßen geschätzt. Es handelt sich um einen Maler, der mehrere Malergenerationen ebenso untergründig wie intensiv inspirierte, sich selbst aber bewusst vom Kunstbetrieb fernhielt. Was nach seinem Tod bleibt, ist sein umfassendes und in seiner Energiegeladenheit singuläres Werk. Anläßlich des 90. Jahrestags seiner Geburt findet von März bis Oktober im Museum Angerlehner, eine umfassende Retrospektive statt, die das Werk als solches in seiner Bedeutung sichtbar macht. Kuratiert wird die Ausstellung von Robert Fleck und Caro Wiesauer.

Kaum einer, der sich der Suggestion der Bilder Grabmayrs entziehen kann. Alles ist Farbe. Deren Erscheinung sosehr wie deren Gewicht, deren Material wie deren koloristische Wirkung wird mit einer Konsequenz und Virtuosität in Einklang gebracht, der in internationalen Getrieben der Kunst einzig Eugène Leroy zur Seite zu stellen wäre. Dessen gespachtelte oder direkt aus der Tube auf- gedrückte Farbreliefs sind einerseits die nächsten Verwandten zu Grabmayr, andererseits nimmt Leroy durch die koloristisch homogenen, zentimeterdick geschichteten und gehäufelten Bilder eine völlig andere Position ein als Grabmayr. Grabmayr nutzt bewusst die Farbverwerfungen, er spielt mit dem aus der Bewegung heraus resultierenden Überschlagen der Farbe, mit den Sensationen die aus Überlagerungen verschiedener Koloritschichten entstehen. Grabmayr weiß auch um die Schwerkraft seiner Farbe. Nichts gelungener als wenn einer aus dem Farbleib herausgerissenen Schlucht ein Klumpen Farbe gegenübersteht, der langsam, der Schwerkraft folgend, absackt bis er der Lava gleich erkaltet und stehenbleibt. Bei Leroy trägt sich das Drama der Farbe immer erst aus allernächster Nähe betrachtet zu. Man muss bei dem Franzosen die Farbe riechen können, um Ihr Leben angemessen zu sehen. Demgegenüber sind Grabmayrs Bilder sowohl nah als auch fernsichtig. Aufregend im Detail wie im Überblick. Selten wurde in der österreichischen Kunst die Krise in der Repräsentation von Natur, die der Aufstand der Abstraktion gegen die Nachahmung ausgelöst hat, ungezügelter zum Fundament einer Malkultur. Selten wurde die Selbstreferenz von Farbe und Material zur überzeugenderen ultima ratio der Malerei. Auszug, Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder - Direktor der Albertina Wien , Katalog zur Ausstellung Franz Grabmayr, Österreichische Galerie Belvedere, 2002