Sommerprogramm Artemons 2016


Pressereview:

"Ein Kunstwerk namens "Brexit" vermittelt Schmerz - Salzburger Nachrichten
"Künstler auf der Flucht, oder: Wie Kunst zur Selbsttherapie wird" - Oberösterreichische Nachrichten
Maler Jürgen Messensee wird 80: Eigenständige Position - Salzburger Nachrichten


Franz Grabmayr 25. Juni - 11. Sept. 2016

Eröffnung: Fr. 24. Juni 2016 um 19 Uhr
Eröffnung durch: Dir. Mag. Carl Aigner
Künstl. Leiter des Landesmuseums Niederösterreich
Musikalische Umrahmung: Andrej Serkov (Akkordeon) in Kooperation mit IGNM -O.Ö./Linz
 
Anlässlich der Ausstellung: Sonderpräsentation Tanzblätter von Franz Grabmayr im Culinariat Hellmonsödt
 
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Geboren 19. April 1927 in Pfaffenberg Kärnten; † 8. Mai 2015 in Wien
Kaum einer, der sich der Suggestion der Bilder Grabmayrs entziehen kann. Alles ist Farbe. Deren Erscheinung sosehr wie deren Gewicht, deren Material wie deren koloristische Wirkung wird mit einer Konsequenz und Virtuosität in Einklang gebracht, der in internationalen Getrieben der Kunst einzig Eugène Leroy zur Seite zu stellen wäre. Dessen gespachtelte oder direkt aus der Tube aufgedrückte Farbreliefs sind einerseits die nächsten Verwandten zu Grabmayr, andererseits nimmt Leroy durch die koloristisch homogenen, zentimeterdick geschichteten und gehäufelten Bilder eine völlig andere Position ein als Grabmayr. Grabmayr nutzt bewusst die Farbverwerfungen, er spielt mit dem aus der Bewegung heraus resultierenden Überschlagen der Farbe, mit den Sensationen die aus Überlagerungen verschiedener Koloritschichten entstehen. Grabmayr weiß auch um die Schwerkraft seiner Farbe. Nichts gelungener als wenn einer aus dem Farbleib herausgerissenen Schlucht ein Klumpen Farbe gegenübersteht, der langsam, der Schwerkraft folgend, absackt bis er der Lava gleich erkaltet und stehenbleibt. Selten wurde in der österreichischen Kunst die Krise in der Repräsentation von Natur, die der Aufstand der Abstraktion gegen die Nachahmung ausgelöst hat, ungezügelter zum Fundament einer Malkultur. Selten wurde die Selbstreferenz von Farbe und Material zur überzeugenderen ultima ratio der Malerei.

Auszüge, Klaus Albrecht Schröder im Katalog zur Ausstellung Franz Grabmayr, Österreichische Galerie Belvedere, 2002 


Borders - Adel Dauood/Osama Zatar

 

25. Juni - 11. Sept. 2016

Eröffnung: Fr. 24. Juni 2016 um 19 Uhr
Eröffnung durch: Dir. Mag. Carl Aigner Künstl. Leiter des Landesmuseums Niederösterreich
Musikalische Umrahmung Andrej Serkov (Akkordeon) in Kooperation mit IGNM -O.Ö./Linz 

 

„Borders“ betitelt Herwig Dunzendorfer, Direktor der Galerie Artemons Contemporary eine Ausstellung, die sich mit dem hochpolitischen Thema der Grenze und damit Aspekten des Eingesperrtseins und der Ausgrenzung widmet. Adel Dauood, geboren 1980 in Al-Hasakah, einer Stadt in Nordsyrien und Osama Zatar, geboren 1980 in Ramallah/Palästina, beide politische Flüchtlinge, präsentieren nicht nur eine junge Künstlergeneration aus Syrien und Palästina, sondern gleichzeitig auch eine Künstlergeneration, für die politische Konflikte, Krieg, Gewalt und Zerstörung Teil ihrer Sozialisation und Biographie sind.

 

Die Auseinandersetzung mit seiner Geschichte ist für Adel Dauood, der seit einigen Jahren auch in Wien lebt und arbeitet, wesentliches Thema seiner künstlerischen Arbeit als Maler und Zeichner (und war auch 2014 in der Ausstellung „Die Zukunft der Malerei im Museum Essl vertreten). „Die Malerei ist für mich eine Art rebellische Reaktion auf Schmerz und Grausamkeit“. Die Eindringlichkeit seiner in der Galerie Artemons Contemporary präsentierten, meist großformatigen Werke besticht nicht durch exzessive oder gar plakative Anklage, sondern durch einen nachdenklichen, erzählerischen Gestus im Spannungsfeld von figurativ und abstrakt. Wiewohl nachdrücklich und manchmal mit einem expressiven Farbton, besitzen die Werke eine Behutsamkeit, fast so, also ob damit auch die Zerbrechlichkeit des Lebens durch Gewalt und Krieg sichtbar werden soll. Verwundungen, Verletzungen und daraus resultierend Angst bestimmen die künstlerisch-malerische Haltung, die, oft fein nuancierend, den Blick des Betrachters führen. Im bildnerischen Ineinander von Malerei und Zeichnung intensiviert sich diese Haltung, insbesondere durch die fast embryonale Einbettung der menschlichen Figuren in einen Kokon von Linien und Malflächen. Die Skizzierung eines zerbrechlichen Menschenbildes ist Anliegen seiner Bilderwelten, die sich zutiefst aus seinen autobiographischen Erfahrungen gründen und hier wiederum durch die Ereignisse von Flucht, Vertreibung und damit verbunden von Heimatlosigkeit.  Die Arbeiten sind berührende Statements über die menschliche Sehnsucht nach Geborgenheit!

 

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Osama Zatar, 2008 bzw. 2015 mit eindrucksvollen Arbeiten in den Ausstellungen „Overlapping Voices“ im Museum Essl und „Schlawiener“ in Wien vertreten, arbeitet „bildhauerisch“ im Bereich der Objektkunst. Mit noch dramatischeren Kriegserfahrungen wie Dauood, verheiratet mit einer Israelin, ist der Krieg als Besetzung Palästinas mit all ihrem Gefängnischarakter (ständige Kontrollen, militärische Grenzen und Quasiinhaftiertsein) von Kindheit an prägend. „Mein persönlicher Kampf, um diese Grenzen niederzureißen und Palästina zu verlassen, hat mich dazu veranlasst, meine künstlerische Arbeit als Mittel der Kommunikation mit meiner Umgebung und als Sprachrohr gegen diese Mächte zu verwenden“, so der Künstler. Mit seinen eindrucksvollen Objekten wird jedoch nicht nur Krieg thematisiert, sondern viele jener Elemente, welche die Freiheit des Einzelnen minimalisieren oder gar eliminieren; ob Bürokratie oder physische Gewalt, immer arbeitet Zatar mit realen, alltäglichen Gegenständen, verschmilzt sie in oft dramatischer Weise mit dem menschlichen Körper oder bedient sich in Verbindung mit Alltagsobjekten symbolisierender Verfahren (Kreuzigung etwa). Wie überhaupt religiöse Aspekte gezwungener Weise höchst virulent in seinen Werken sind (so etwa mit der Skulptur eines Selbstmordattentäters). Dabei geht es auch um die Befragung okkzidentaler und orientaler Weltbilder und gegenseitiger Wahrnehmung. „Hatschi Bradschi“, der Kinderbuchklassiker von Franz Karl Ginzky von 1904 wird dabei ebenso ein Werktitel wie die aktuellen Ereignisse um den „Brexit“ (beide mixed media).  Immer wieder spielen Märchenerzählungen und ihre signifikanten Objekte eine konstitutive Rolle wie etwa der „Fliegende Teppich“ im Werk „Under the Carpet“ von 2016, ebenfalls mixed media. Seit spätestens dem „Fernöstlichen Diwan“  von Goethe entstehen Mythen des Eigenen und Fremden, die Europa geistes- und kulturgeschichtlich bis heute tangieren. Otmar Zatar versteht es in betroffen machender Weise, diese für seine künstlerischen Gegenwartsstatements immer wieder virulent zu machen und dabei aufzuzeigen, wie schnell etwas Positives in Zerstörerisches zu kippen vermag. Es sind Reflexionen über langjährige, reale Erfahrungen, Verdichtungen menschlicher Tragödien von zutiefst unmenschlichen Geschehnissen.

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Beide künstlerische Positionen vereint ein zutiefst humanes und damit auch globales Anliegen. Der künstlerische Diskurs kann nicht unmittelbar Wunden heilen, aber er vermag uns als Betrachter außerhalb unseres funktionalen Alltags zu sensibilisieren. Wir sollten dabei nicht vergessen, wie nahe die Ereignisse in Syrien und Palästina seit Jahrzehnten sind und dies auch jenseits der aktuellen Flüchtlingsströme.          

Dir. Mag. Carl Aigner Künstl. Leiter des Landesmuseums Niederösterreich


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